Extradurale Tumoren
Die extraduralen Neubildungen gehen von epi- bzw. periduralen Gewebe,
von der Wirbelsäule oder von paravertebralen Abschnitten aus und führen zur Kompression
von Myelon und/oder Nervenwurzeln; zusätzlich ist eine Myelonschädigung durch Störung
der spinalen Durchblutung denkbar.
Am häufigsten unter den extraduralen Raumforderungen sind Sarkome und
Metastasen, letztere gehen oft von Bronchial- und Mammakarzinomen (überwiegend
osteoklastisch) aus. Extradurale Raumforderungen finden sich auch bei hämolytischen
Erkrankungen wie lymphatischen und myeloischen Leukämien, Lymphomen und beim multiplen
Myelom. Als osteogene Tumoren kommen in diesem Bereich Osteoblastome, Osteofibrome,
Osteome, Osteoidosteome und Riesenzellgeschwülste vor; insbesondere bei letzteren ist
maligne Entartung möglich. Zu den extraduralen Fehlbildungstumoren gehören Epidermoide,
Dermoide, Teratome sowie Dermoidzysten; Dermoidzysten liegen typischerweise im
lumbosakralen Bereich in Kombination mit einer Spina bifida occulta, Teratome im
sakrokokzygealen Bereich. Auch ausschließlich extradurale Meningeome und Neurinome sind
beschrieben.
Klinik
Die klinische Symptomatik ist variabel und von Höhe, Ausdehnung und
Lagebeziehung der Neubildung abhängig.
- Bei Lage im kraniozervikalen Übergang kann es neben Ausfällen von Seiten langer Bahnen
wie motorische und sensible Tetrasymptomatik und Blasenstörungen auch zu Ausfällen
kaudaler Hirnnerven (Nervus XI und XII) und nukleär bedingten Trigeminalen Symptomen
kommen.
- Im zervikalen und thorakalen Bereich führen diese Raumforderungen ebenfalls zum Ausfall
langer Bahnen wie Tetra- oder Paraparese mit entsprechendem sensiblem Defizit oder
Brown-Sequard-Syndrom du auch Blasenstörungen. Hinzu kommen häufig segmentale
radikuläre Zeichen oder auch ein Horner-Syndrom.
- Bei lumbalem und sakralem Tumorwachstum kommt es je nach Lage und Ausdehnung zu
radikulären und polyradikulären Bildern, zum Konus- oder Kauda-Syndrom bis hin zur
Querschnittssymptomatik mit vegetativen Defiziten (Blasen-, Mastdarm-, Potenzstörungen).
Therapie
- Bei den gutartigen Raumforderungen stellt die möglichst vollständige operative
Entfernung die Therapie der Wahl dar. Bei von der Wirbelsäule ausgehenden Prozessen kann
u.U. ein zusätzlicher stabilisierender Eingriff nötig werden.
- Bei malignen Prozessen wird die Kombination von Operation, Strahlen- und Chemotherapie
empfohlen. In Frage kommen die Vertebrektomie mit Einbringung eines
Wirbeklkörper-Ersatzimplantats und Stabilisierung oder dekomprimierende Verfahren, wie
Laminektomie und Entfernung epiduraler Tumormassen. Bei bestimmen Tumoren (z.B. multiples
Myelom) und Befundkonstellationen wie bereits kompletter Querschnitt, bei dem
Stabilisierung oder Histologiegewinn nicht bzw. nicht mehr nötig sind, wird auch zur
primären Bestrahlung geraten. Der Strahlentherapie wird ein guter palliativer Effekt
zugeschrieben, wobei allerdings die einzelnen Tumoren in ihrer Strahlensensibilität stark
variieren; als strahlensensibel werden z.B. Lymphome angesehen, sekundäre spinale Tumoren
gelten als strahlentherapeutisch besser beeinflußbar als primäre spinale Tumoren. Zu
beachten ist das Risiko einer Strahlenmyelopathie; als Obergrenze für die applizierte
Dosis werden 40, andernorts 50Gy genannt.
- Für den Fall einer tumorbedingten Melonkompression begleitende
Kortikosteroidmedikation.
- Eine zytostatische Behandlung wird sich bei Metastasen am Primärtumor orientieren.
- Bei Metastasen von Mamma- und endometrialen Karzinomen sowie insbesondere bei
Prostatakarzinomen läßt sich durch eine Hormontherapie und ggf. Entfernung der Gonaden
das Tumorwachstum z.T. auch über längeren Zeitraum günstig beeinflussen.
|