Hypophysenadenome
Einteilung in Mikroadenome (Durchmesser < 10mm) und Makroadenome
(>10mm). Von den hormoninaktiven sind die hormonaktiven Adenome zu unterscheiden.
Klinik
Von den hormonaktiven Adenomen können die folgenden
Vorderlappenhormone im Überschuß produziert werden:
- Wachstumshormon
- Prolactin
- ACTH
- selten TSH und Gonadotropin
Die hormoninaktiven Adenome führen durch die Raumforderung in der
Sella zu endokrinen Ausfällen, wobei es zunächst meist zum sekundären Hypogonadismus
und schließlich zur Schilddrüsenunterfunktion sowie zur Nebennierenrindeninsuffizienz
kommt. Durch das Tumorwachstum kann es neben den endokrinologischen Störungen zu
Gesichtsfelddefekten, Visusminderung, Optikusatrophie, Doppelbildern meist aufgrund einer
Okulomotoriusparese, Störungen des Liquorabflusses aus den Seitenventrikeln sowie
Verlegung des Sinus cavernosus und Ummauerung arterieller Gefäße kommen.
Chirurgische Therapie
Wachstumshormonproduzierende Adenome
sind häufig durch einen transsphenoidalen Eingriff entfernbar. Hierbei
läßt sich vom Gesichtsschädel aus über die Keilbeinhöhle mikrochirurgisch in der
Regel unter Erhalt der Hypophyse das Adenom entfernen. Bei postoperativ anhaltendem
Wachstumshormonüberschuß stehen als therapeutische Möglichkeiten die erneute Operation,
die Gabe von Dopaminagonisten (Bromocriptin = Bromed®, Lisurid = Dopergin®) und die
Bestrahlung zur Verfügung.
ACTH-produzierende Adenome
Die Indikation zur transsphenoidalen Operation ACTH-produzierender
Adenome ergibt sich insbesondere auch aus den charakterischen Befunden be der
endokrinologischen Funktionsdiagnostik. Die Adenomektomie beim M.Cushing gilt wegen
diffusen Wachstums als technisch schwierig. Postoperativ kommt es häufig zu sekundären
Nebennierenrinden-Insuffizienz, was eine entsprechende Substitutionsbehandlung notwendig
macht. Führt die Operation nicht zur endokrinologischen Normalisierung, wird zur
bilateralen Adrenalektomie geraten, da deren Folgen geringer als die der Hypophysektomie
sind.
Prolactinome
Bei den Prolactinomen steht neben der Operation als Therapiemaßnahme
die Gabe von Dopaminagonisten zur Verfügung. Kleine Prolactinome, deren Prolactinspiegel
3000-5000 mE/ml nicht überschreiten, können mit Dopaminagonisten behandelt werden. Vor
Eintritt einer Schwangerschaft sollten größere und v.a. auch supraselläre Adenome
operiert werden. Während der Schwangerschaft kann es durch die physiologische
Größenzunahme der Hypophyse zu zunehmender raumfordernder Wirkung kommen; darüber
hinaus gibt es Einblutungen in das Adenom. Bei Makroprolactinomen wird die
transsphenoidale Operation nach Vorbehandlung mit Bromocriptin (Bromed®) empfohlen; die
Behandlung mit Dopaminagonisten führt bei etwa 60% der Makroprolactinoem zur Schrumpfung.
Hormoninaktive Adenome
Bei hormoninaktiven Adenomen läßt sich die transsphenoidale Operation
häufig das Sehvermögen bessern. Der endokrine Funktionszustand kann bei einem Teil
erhalten, bei einem Teil sogar verbessert werden.
Komplikationen der chir. Therapie
Rhinoliquorrhö und Meningitis
Die transphenoidal nicht erreichbaren, in den intrakraniellen Raum
reichenden Hypophysentumoren werden transkraniell angegangen. Die Operation ist,
insbesondere aufgrund möglicher hypothalamischer Regulationsstörungen, risikoreicher.
Medikamentöse Behandlung
- mit Dopaminagonisten: Grundsätzlich einschleichend dosieren
- beginnend mit 2,5mg Bromocriptin (A: Bromed®)
- bzw. 0,2mg Lisurid (A: Dopergin®) abends
- angestrebte Tagesdosis hängt von den individuellen Hormonspiegeln ab.
- Nebenwirkungen von Bromocriptin
- gastrointestinale Beschwerden, psychische Auffälligkeiten
- selten Arrhythmien und pektanginöse Beschwerden
- die Medikation hat einschleichend zu erfolgen und ist bei Schwangerschaft sofort
abzusetzen
Substitutionstherapie
Die sekundäre Nebennierenrindeninsuffizienz wird mit Hydrokortison,
die sekundäre Hypothyreose mit Schilddrüsenhormonen (A: Euthyrox®, Thyrex®,
Novothyral®, ...), der sekundäre Hypogonadismus bei Männern mit Testosteron, bei Frauen
mit Östrogenen behandelt. Bei Diabetes insipidus, der bei transsphenoidaler Operation als
selten gilt, erfolgt die Gabe von antidiuretischen Hormon als Nasenspray (z.B. A/D:
Minirin®)
Bestrahlung
Bei hohem Operationsrisiko oder unvollständiger Adenomentfernung
bietet sich als Alternative oder zusätzlich die Bestrahlung an.
Nachteile
- häufig lange Latenzen bis zur Normalisierung der Hormonspiegel
- die mögliche Entwicklung einer Hypophyseninsuffizienz
- evtl. Strahlenschäden benachbarter Strukturen
Bei rein intrasellären Prozessen, insbesondere beim M.Cushing, kann
radioaktives Yttrium stereotaktisch in die Sella implantiert werden.
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