Maligne Hyperthermie
Klinik
Die maligne Hyperthermie (MH) ist ein lebensbedrohliches
Krankheitsbild, das bei entsprechender Disposition insbesondere durch Inhalationsnarkotika
und depolarisierende Relaxantien ausgelöst wird. Bei der MH ist die Wärmeproduktion im
Skelettmuskel erhöht. Ursache ist eine Medikamenten-induzierte, pathologische
Ausschüttung von Calcium aus dem sarkoplasmatischen Retikulum, wodurch die
intrazelluläre freie Calciumkonzentration ansteigt und nach Überschreitung der
mechanischen Schwelle eine Dauerkontraktur auslöst. Durch die Schädigung der
Muskelfasern kommt es zur Hyperkaliämie, zur exzessiven CK-Erhöhung und zur
Myoglobinurie, evtl. mit Nierenversagen. Ohne adäquate Behandlung führt die MH in 70%
der Fälle zum Tod.
siehe Nofallstherapie
Prävention
- Die Anlage zu maligner Hyperthermie läßt sich mit Hilfe des sog.
In-vitro-Kontrakturtests nachweisen bzw. ausschließen. Der Test wird in Europa zur Zeit
in 10 Labors entsprechend dem Protokoll der European Malignant Hyperthermia Group
durchgeführt. Da die Anlage zu maligner Hyperthermie autosomal dominant vererbt wird,
sollten alle Blutsverwandten eines Patienten, der eine eindeutige MH-Krise durchgemacht
hat, untersucht werden. Auch bei Patienten mit bestimmten Myopathien (central core
disease, familiäre Rhabdomyolyse) und bei idiopathischer CK-Erhöhung sollte der
In-vitro-Kontrakturtest durchgeführt werden.
- Anlageträger können sich durch Ausweis oder SOS-Kapseln vor einer üblichen
Allgemeinnarkose schützen. Es können dann relativ sichere Narkosemittel verwendet
werden. Darüber hinaus steht mit Dantrolen ein sehr spezifisch wirksames Therapeutikum
zur Verfügung, das auch prophylaktisch eingesetzt werden kann. Neuerdings wird die
prophylaktische Gabe i.v. 1j vor Operation durch geführt, wodurch die Operation nicht
verzögert und ausreichend hohe Wirkspiegel erreicht werden können.
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