Parkinson-Medikamente
Wegweiser dieser Seite: L-Dopa, Dopamin-Agonisten
(Bromocriptin, Lisurid, Pergolid,
Ropinirol), Apomorphin, MAO-B-Hemmer (Selegilin), Anticholinergika (Benzatropin,
Bornaprin, Metixen, Procyclidin,
Trihexyphenidyl), Glutamat-Antagonisten
(Amantadin), COMT-Hemmer
(Tolcapone, Entocapone),
Budipin
Substanzen
Levo-Dopa + Benserazid
Madopar® 50/12,5mg kps, 100/25mg kps, 200/50mg kps, 200/50mg tbl, CR 100/25mg kps (=
Retardform)
Levo-Dopa + Carbidopa
Sinemet® 25mg/100mg tbl, 25/250mg tbl, Sinemet® retard tbl
Dosierung
50-1000mg/d Levodopa (in Kombination mit dem entsprechenden Anteil eines
Decarboxylasehemmers)
Wirkung
L-Dopa wird nach Aufnahme ins Neuron zu Dopamin metabolisiert; die Darreichungsformen
enthalten eine Kombination von L-Dopa und einem peripheren, die Blut-Hirn-Schranke nicht
passierenden Decarboxylase-Hemmer, der die Metabolisierung außerhalb des ZNS verhindert
und die peripheren Nebenwirkungen reduziert.
Pharmakokinetik
Kurze HWZ von 1-3h nach klinischem Eindruck wirkt Madopar® etwas schneller als
Sinemet®; trotzt der kurzen HWZ ist ein völliger Wirkungsverlust erst 3-4d nach Absetzen
von L-Dopa zu erwarten. Die Retardformen haben eine HWZ von 2-4h
NW
- sofort: Nausea, Erbrechen, Schwindel; arterielle Hypotonie (selten Hypertonie),
Palpitationen, tachycarde Arrhythmien, Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Agitiertheit,
Alpträume, Verwirrtheit, Psychose
- langfristig:
- Wirkungsverlust ("end of dose akinesia", on/off-Oszillationen)
- Dyskinesien
- peak-dose-dyskinesia (Chorea)
- biphasische Dystonie
- "early morning dystonia"
- Myoklonus
- Psychose
Ind
- alle Stadien der Erkrankung
- wirksamstes Anti-Parkinson-Medikament
- v.a. Akinese und Rigor positiv beeinflußt.
- Retard-Präparate
- bei "end-of-dose akinesia"
- bei nächtlicher Akinese
Substanzen
- A: Bromed® tbl 2,5mg; 5mg; 10mg
- D: Pravidel® 2,5mg/5mg/10mg
- langsam einschleichen
- Erhöhung der Tagesdosis um 1,25mg alle 4-7d
- Erhaltungsdosis 7,5-30mg/d
- Maximaldosis 60mg/d
Cabergolin
- Cabaseril® tbl 1mg; 2mg; 4mg
- langsam einschleichen
- Tagesdosis ab 1mg 1/2-0-0
- Erhaltungsdosis 2-4mg 1-0-0
- A/D: Dopergin® tbl (0,2mg)
- langsames Einschleichen
- Erhöhung der Tagesdosis um 0,1mg/Woche auf
- 3 x 0,2 3 x 0,6mg/d
- Maximaldosis 5mg/d
- Permax® tbl 0,05mg; 0,25mg; 1,0mg
- langsames Einschleichen
- Permax® Starterpackung (beginnend mit niedrigsten Dosiseinheit)
- Erhöhung der Tagesdosis um 0,125-0,25mg/Woche
- auf 3 x 0,25mg 3 x 1mg/d
- Maximaldosis: 5mg/d
Pramipexol
- Sifrol® tbl 0,088mg; 0,18mg;
0,35mg; 0,7mg (Pramipexol-Base)
- langsam einschleichen
- Beginn mit 0,088mg 1-1-1
- Mittlere Dosis 0,35mg 1-1-1
- bis max. Tagesdosis von 3,3mg in 3 Einzeldosen
Ropinirol
- Requip® ftbl 0,25mg; 0,5mg; 1mg; 2mg; 5mg
- initial 3 x 0,25mg/d
- Erhöhung der Tagesdosis wöchentlich um 3 x 0,25mg/d
- bis auf Tagesdosis 3-9mg
- Maximaldosis: 24mg
Wirkungsmechanismus
Dopamin-Agonist (v.a. D2-Agonist); der theoretische Vorteil gegenüber
L-Dopa liegt in der längeren HWZ und der Umgehung des präsynaptischen Syntheseschrittes
Pharmakokinetik
HWZ 6h
Nebenwirkungen
- entsprechend Levo-Dopa
- stärker ausgeprägt als bei Levo-Dopa sind
- arterielle Hypotonie (Orthostase, Synkopen)
- psychotische NW
- gastrointestinale NW (Erbrechen)
- es muß mit den für alle Mutterkornalkaloide typischen, wenn auch seltenen
Nebenwirkungen gerechnet werden:
- Raynaud-Syndrom
- Diplopie
- retroperitoneale Fibrose
- Pleuraergüße
- geschwollene Knöchel
Indikationen
- Kombination mit L-Dopa in allen Krankheitsstadien (Einsparung von L-Dopa, Ausgleich von
"end of dose akinesia" und on/off-Oszillationen
- auch als Monotherapie zu Beginn der Parkinson-Behandlung
Kontraindikation
wegen eines möglichen vasokonstriktorischen Effektes gelten schwere arterielle
Verschußkrankheiten inkl. Koronarinsuffizienz als relative Kontraindikationen
Ist eigentlich auch unter der vorherigen Gruppe (Dopamin-Agonisten einzureihen, wird
aber getrennt gebracht, da etwas andere NW)
Apomorphin Injektionslösung (1ml A = je 10mg)
Dosierung
- 0,1 0,4ml (1-4mg) s.c.
- ggf. täglich mehrmals wiederholen
Erleichterung der s.c. Applikation durch D-Pen wegen der emetische Wirkung
prophylaktische Gabe von Domperidon (Motilium® 10mg tbl, 1mg/ml Lösung, 3 x 1-2tbl)
Wirkungsmechanismus
Dopaminagonist (D1- und D2-Agonist)
Pharmakokinetik
Nach parenteraler Gabe maximale zerebrale Konzentration nach 10-20min, rascher
Konzentrationsabfall innerhalb 1h
NW
- stark emetische Wirkung
- Th: 1 A Zofran® i.v. gegen Nausea
- Blutdruckabfall
- Bradykardie
Ind
- Akuttherapie von off-Phasen und akinetischen Krisen (nur in Spezialabteilungen und unter
stationären Bedingungen!)
- nicht zugelassen für die Indikation: "Parkinson-Therapie"
Substanz
Jumex® (=5mg), Cognitiv® (=10mg)
Wirkungsmechanismus
- Hemmung des Dopaminabbaus (irreversibler MAO-B-Hemmer);
- Verstärkung der L-Dopa-Wirkung
Pharmakokinetik
- Wirkungseintritt nach ca. 2h
- Wirkungsdauer ca. 24h und länger
NW
- bei Monotherapie selten Nausea
- bei Kombinationstherapie mit L-Dopa
- Verstärkung der L-Dopa-Nebenwirkungen
- Dyskinesien
- Verwirrtheitszustände
Ind
- bei end-of-dose Akinese in Kombination mit L-Dopa
- Einsparen von L-Dopa möglich
- Einsatz im Frühstadium möglich
Dosierung
- 1.Woche: 2,5mg/d
- dann 5mg/d in 1-2 Einzeldosen
- max. 10mg/d
Substanz
A: Cogentin® tbl (=2mg Benzotropinmesilat)
A/D: Akineton® 5mg A, 2mg tbl, 4mg ret drg
A: Sormodren® (=4mg Bornaprin hydrochlorid)
D: Tremarit®, D: Bitabs®, A: nicht registriert
A: Kemadrin® tbl (5mg), A (10mg)
A/D: Artane® 2mg tbl, 5mg tbl, 5mg ret tbl
Wirkungsmechanismus
- Anticholinergikum
- Ausgleich des cholinergen Übergewichts im Striatum
NW
- Nausea, Erbrechen
- Obstipation
- Akkommodationsstörung
- Mundtrockenheit
- Miktionsstörungen bis Harnverhalten
- Gegenmittel: Carbachol (med.vet.präp. in A: Rilentol® 1mg/ml)
- psychische Störungen
- anticholinerges Delir
- Verschlechterung einer Demenz
Ind
- extrapyramidaler Tremor
- Metixen (A: no) und Bornaprin (A: Sormotren®) sollen besonders bei diesem Tremor
wirksam sein
- vegetative Störungen
- unzureichender Effekt oder Unverträglichkeit der dopaminergen Medikation
KI
- Engwinkelglaukom
- Prostataadenom
- mechanische Stenosen im Magen-Darm-Trakt
- Megakolon
- Tachycardien
- Demenz
Substanz
PK-Merz® tbl (=100mg)
PK-Merz® Infusion (500ml, 200mg Amantadin)
Hofcomant® tbl, inf
DO
- oral 3 x 50-100mg/d
- maximal 600mg/d
- praenteral
- 1-6 x 500ml Infusion/d
- Infusionsdauer ca. 3h/500ml
Wirkungsmechanismus
Wahrscheinlich Blocker des N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptors und damit ein
Glutamat-Antagonist.
Pharmakokinetik
Amantadin wird nicht metabolisiert und zu 90% renal ausgeschieden
NW
- dopaminerg
- anticholinerg (geringer)
- zum Absetzen zwingen:
- periphere Ödeme
- Livedo reticularis
- Psychosen
- bei zu rascher parenteraler Applikation
- Blutdruckabfall
- Übelkeit
- Verwirrtheit
- selten epileptogen bei renaler Funktionsstörung
Ind
- oral eher schwach wirksam
- alleine oder in Kombination mit L-Dopa indiziert
- angeblich in der Mehrzahl der Fälle Wirkungsverlust nach Wochen bis Monaten
- parenterale Gabe bei der akinetischen Krise
- Kombination im Prinzip möglich mit
- L-Dopa
- Dopamin-Agonisten
- MAO-B-Hemmer
- Kombination mit Anticholinergika (z.B. Akineton®, Sormotren®, Artane®) vermeiden
Substanz
Tolcapone (Tasmar® 100mg, 200mg ftbl)
- (DO: 3 x 100mg bis max. 3 x 200mg)
- Wurde im Sept. 1998 wieder vom Markt genommen, da schwere Leberreaktionen unter
der Therapie mit Tolpacone gefunden wurden.
- Das Absetzen sollte langsam erfolgen
- schrittweise in 3 Tages-Abständen um 100-200mg reduzieren
- abruptes Absetzen kann zum malignen dopaniergen Enzugssyndrom
führen
- die Kontrolle sollte engmaschig erfolgen (stationäre Aufnahme bei Problempatienten
sinnvoll)
- gleichzeitig sollte L-Dopa höher dosiert werden
- einschleichend mit Dopaminagonisten beginnen (auch statt der L-Dopa Erhöhung)
- Näheres siehe auch bei
, dem Erzeuger
von Tasmar®
Entocapon (Comtan® 200mg ftbl)
- DO: jeweils 1 ftbl zur L-Dopa Therapie
- L-Dopa kann hierbei reduziert werden
Wirkmechanismus
- Hemmer der Catechol-o-Methyl-Transferase (COMT)
- die Verfügbarkeit von L-Dopa wird erhöht
Pharmakokinetik
Sie verlängern die Plasmahalbwertszeit und Wirkdauer von L-Dopa, da der Dopaminabbau
mit Hilfe des COMT-Hemmers gehemmt wird. Off-Zeiten können dadurch gedämpft werden. Ein
Einsatz ohne Levodopa ist daher sinnlos!
NW
- häufig Dyskinesien
- schwere Leberschädigung (bei Tolcapone beobachtet)
- seltener Schlafstörungen, Dystonie, übermäßiges Träumen, Appetitverlust u.
orthostatische Beschwerden
Ind
Add-On zu L-Dopa (Madopar®)
4,4-Diphenyl-piperidinderivat
Substanzen
Budipin (A/D: Parkinsan® 10mg, 20mg, 30mg tbl)
Ind
NW
- relativ nebenwirkungsarm
- Übelkeit
- Magenbeschwerden
- Schwindel
- Verwirtheit
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Trihexyphenidyl), Glutamat-Antagonisten
(Amantadin), COMT-Hemmer
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