Medulloblastom
Häufigster neuroepithelialer Tumor der hinteren Schädelgrube im Kindes- und
Jugendalter. Das undifferenzierte, rasch proliferierende Medulloblastom liegt
typischerweise in der Mittellinie des Kleinhirns und im Dach des 4. Ventrikels. Beim
Medulloblastom kommt es relativ häufig zur Metastasierung, insbesondere über den
Liquorweg in den Spinalkanal sowie auch in basale Zisternen und innere Liquorräume;
darüber hinaus sind auch extraneurale Metastasen beobachtet worden. Das Medulloblastom
rezidiviert häufig. Die in etwas fortgeschrittenerem Alter meist in den
Kleinhirnhemisphären auftretende desmoplastische Variante hat eine bessere Prognose.
Klinik
Bei relativ kurzer Anamnesedauer Zeichen gesteigerten intrakraniellen Druckes aufgrund
gestörter Liquorzirkulation, zerebelläre Symptome, Hirnnervenausfälle und unter
Umständen auch Wurzel-, Hinterstrang- oder Querschnittssymptome bei spinaler
Metastasierung.
Therapie
- Bei dem hochmalignen, infiltrierend wachsenden Tumor ist eine vollständige Entfernung
ohne zusätzliche Schädigung umliegender Strukturen schwierig. Bei der Operation wird
daher mit der Verkleinerung der Tumormasse insbesondere die histologische
Diagnosesicherung und die Wiederherstellung der Liquorzirkulation angestrebt. Die
Implantation eines Shunts ist wegen der Gefahr einer systemischen Metastasierung
problematisch; die Anwendung von Filtern soll dieses Risiko vermindern.
- Aufrund der Strahlensensibilität der Medulloblastome erfolgt postoperativ die
Radiotherapie, wodurch sich die Prognose verbessern ließ. Wegen relativ häufiger
Absiedlung von Metastasen im Liquorraum wird die gesamte kraniospinale Achse bestrahlt.
- Zur Chemotherapie beim Medulloblastom sind die Auffassungen nicht einheitlich. Während
die systemische Therapie nach Operation und Bestrahlung zum Teil als obligatorisch
angesehen wird, wird anderorts, zumindest bei Erwachsenen, die adjuvante Chemotherapie
generell empfohlen bzw. vom Erfolg der Strahlentherapie abhängig gemacht. Zur Anwendung
gelangen Kombinationstherapien (Cyclophosphamid und Vincristin), wegen der Toxizität wird
zumindest im Erwachsenenalter aber auch zur Monotherapie wie bei Gliomen geraten, dafür
aber vor und nach Bestrahlung die routinemäßige intrathekale Prophylaxe mit Methotrexat
und Cytosin-Arabinosid empfohlen.
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