Mitochondriale Enzephalomyopathien
Klinik
Außer einer meist langsam progredienten, proximal oder distal betonten
Muskelschwäche mit Belastungsintoleranz und Lactazidose bestehen Symptome von seiten des
ZNS wie Ataxie, myoklonische Anfälle und fakultativ intellektueller Abbau,
Optikusatrophie, retinale Pigmentdegeneration, Neuropathie, endokrine Störungen,
Kardiomyopathie und bei früher Manifestation Minderwuchs.
Unterschieden werden Syndrome ohne und mit chronisch progredienter
externer Ophthalmoplegie, wobei erstere gewöhnlich im Kleinkindesalter, letztere dagegen
in beliebigem Alter beginnen mit Ausnahme der früh einsetzenden Ptose. Syndrome
mit chronisch progredienter externer Ophthalmoplegie werden unter der Bezeichnung
"Ophthalmoplegia plus" zusammengefaßt, sofern sich histologisch ragged red
fibers nachweisen lassen.
Weitgehend konsistent sind bei Ophthalmoplegia plus die histologischen
Befunde (ragged red fibers) und die Ergebnisse klinisch-metabolischer Untersuchungen.
Während und nach körperlicher Belastung steigen Lactat und Pyruvat im Serum exzessiv an.
Die an Muskelfasern bzw. isolierten Mitochondrien erhaltenen biochemischen Resultate sind
dagegen nicht einheitlich. Bei zumindest einigen Patienten scheint in der Atmungsketten
ein ausgeprägter Mangel an Ubiquinon und/oder des Fe-S-Proteins im Komplex III der
Atmungskette vorzuliegen. Bei einigen Enzymen ist der Mangel histochemisch und somit an
üblichem Biopsiematerial festzustellen.
- Orale Gabe von 120-150mg/d Ubiquinon hat bei einigen wenigen Patienten mit
Kearns-Sayre-Syndrom eine drastische Besserung bewirkt. Zur Therapiekontrolle sollten
Lactat- und Pyruvat-Anstieg unter reproduzierbarer Belastung vor und 1 Jahr nach
Behandlungsbeginn verglichen werden. Unerwünschte Nebeneffekte sind bisher nicht
beobachtet worden.
- Bei einer Visusstörung infolge Ptose ist eine operative Oberlid-Raffung oder die
Anpassung einer Magnetbrille zu empfehlen.
- Bei Reizleitungsstörungen ist eine Schrittmachertherapie zu erwägen.
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