Myoklonussyndrome
Definition
Die Myoklonie ist durch unwillkürlich auftretende und blitzartig ablaufende
Muskelkontraktionen charakterisiert, vergleichbar einer Muskelzuckung, wie man sie nach
elektrischer Reizung erhält. Myoklonien können einen oder mehrere Muskeln betreffen,
symmetrisch oder asymmetrisch verteilt sein und rhythmisch oder irregulär auftreten. Es
lassen sich Ruhe- und Aktionsmyoklonien unterscheiden.
Vorwiegend auslösend wirken optische Reize und Bewegungsintentionen; die Lokomotion
kann sowohl auslösend als auch hemmend auf die Myoklonie wirken. Durch psychische
Belastung lassen sich Myoklonien häufig unspezifisch aktivieren. Dabei kann die
zugrundeliegende Funktionsstörung auf allen Ebenen des zentralen motorischen Systems
liegen (Cortex, Basalganglien, Hirnstamm, Rückenmark). Auf der einen Seite besteht bei
den Koordinaten Myoklonien ein fließender Übergang zu den Epilepsien
(Myoklonusepilepsie; simultane Registrierung von EEG und EMG stets sinnvoll!), auf der
anderen Seite bei den spinalen Myoklonien zu sonstigen spinalen Enthemmungsphänomenen.
Myoklonien können isoliert oder im Rahmen anderer neurologischer Syndrome auftreten; die
Ätiologie ist vielfältig und kann hier nicht im einzelnen diskutiert werden. Auf die
Möglichkeit einer Verursachung durch endogene (Urämie, Schwangerschaftstoxikosen) oder
exogene (z.B. DDT, Imipramin, Cycloserin, Isoniacid) Intoxikationen sei jedoch besonders
hingewiesen.
Primär versucht man die zugrunde liegende Erkrankung zu
behandeln. Die Symptome selbst kann man durch die meisten Antiepileptika
behandeln. Kontrollierte Studien liegen kaum vor. Die Dosis liegt oft höher als
bei der Epilepsie empfohlen. Valproinsäure und Clonazepam sind erste Wahl:
Valproinsäure
Ist erste Wahl. Dosierung wird wie bei Epilepsie begonnen,
Höherdosierung je nach Nebenwirkung.
Oxcarbazepin
Trileptal®
Referenz:
Kaddurah AK, Holmes GL.;
Possible precipitation of myoclonic seizures with oxcarbazepine.
Epilepsy Behav.
2006 Feb;8(1):289-93. Epub 2005 Dec 13. [PupMed]
Levetiracetam
Keppra®
Referenz:
Grunewald R.;
Levetiracetam in the treatment of idiopathic generalized epilepsies.
Epilepsia. 2005;46 Suppl 9:154-60.
[PupMed]
Benzodiazepine
Insbesondere Clonazepam (Rivotril®), bis 12mg/d. Cave: Atemdepression, besonders bei
parenteralen Anwendung.
Piracetam
Nootropil®, Cerebryl®, Pirabene®. Günstige Effekte werden
berichtet.
Referenz:
Khani YA, Andermann F, Andermann E.
Antimyoclonic efficacy of piracetam in idiopathic generalized epilepsy.
Epilepsia. 2005 Jul;46(7):1145-6.
[PubMed]
Botulinumtoxin-Injektion
Bei Gaumensegelmyoklonus ist mittels funktioneller Bildgebung (PET, funktionelles MR)
eine Aktivierung der Nucl. ruber, Nucl. dentatus sowie der Oliva inferior nachweisbar.
Botulinumtoxin-Injektion in den M. levator veli palatini hat sich besonders bei dem sehr
beeinträchtigten Ohr-Klicken bewährt. |