Progressive Muskeldystrophie
Einteilung
Allgemeine symptomatische Maßnahmen
Physiotherapie
Wert und Nutzen von Übungsbehandlungen werden kontrovers diskutiert. Ein Konsens
besteht bei den folgenden Aussagen:
- Muskelgruppen, die am meisten beansprucht werden, sind früher und stärker betroffen
als weniger beanspruchte Muskelgruppen.
- Muskelanstrengung bewirkt einen prompten und deutlichen CK- und Myoglobinanstieg im
Serum. Die Enzymanstiege sind als Folge einer Muskelschädigung aufzufassen
- Passive Dehnung von aktivierten Muskelgruppen bewirken auch beim Gesungen
ausgeprägte Erhöhung der Muskelenzyme im Serum. Diese Belastungsform ist am
vordringlichsten zu vermeiden.
- Passives Durchbewegen der Gelenke mit Streckung der möglichst entspannten Muskulatur
ist eine wichtige Maßnahme zur Kontrakturprophylaxe und Kontrakturbehandlung.
- Atemübungen gegen erhöhten inspiratorischen Widerstand können die Ausdauer der
Atemmuskulatur verbessern. Tiefes Atmen und Atmen mit intermittierenden positiven Druck
vergrößern die Vitalkapazität.
- Frühzeitige Gewichtskontrolle ist aus mehreren Gründen wichtig:
- Gewichtszunahme verringert die Vitalkapazität
- und erschwert die Bewegungsfähigkeit und Pflege
- Schwimmen ist sehr zu empfehlen
Die Übungen sollten täglich von Angehörigen und 1-2x/Woche von einer
Krankengymnastin überprüft werden. Uneinigkeit besteht hinsichtlich Ausmaß und Art der
aktiven Übung (isometrisch oder isotonisch?).
Bei Rollstuhl-pflichtigen Patienten entwickeln sich Skoliose und Kontrakturen rasch.
Die Entwicklung der Skoliose kann durch leichte Rückwärtsneigung der Lehne und eine
Einlage, die die Lendenlordose fördert, verzögert werden.
Psychagogik
Hilfsmittel für den Alltag
- Klettverschlüsse
- Sitzhöhe den Erfordernissen anpassen
Orthopädische Hilfsmittel
Das orthopädische Hilfsmittel darf den Gesamtorganismus nicht belasten oder gar
bestimmte Funktionen einschränken. z.B. sollte ein Fuß nur soweit korrigiert werden,
dass eine bestmögliche Stellung zum Gehen und Stehen erreicht wird. Die Ausführung der
Orthese richtet sich nach der Korrekturstellung. Sie muß durch Form und Wahl der
Werkstoffe ermöglichen dass die Korrektur während des ganzen Tages erträglich ist.
Ähnliches gilt für Lagerungsschalen für die unteren Extremitäten. Auch sie sollen
nicht korrigieren, sondern nur weiteren Entwicklungen von Fehlstellungen vorbeugen und den
bisherigen Zustand stabilisieren.
- Nachtschienen zur Vermeidung von Spitzfüßen
- Peroneusfeder oder hoher Schuh bei Fallfuß
- Sitzkissen, Spezialmieder oder Sitzschalen nach Gipsmodell bei Skoliosen und
Hyperlordosen
- Hilfen, die die noch vorhandene Muskelkraft unterstützen, wie Vergrößerungen oder
Verlängerungen von Bedienungshebeln an Elektrorollstühlen, Lagerungsschalen für
Unterarme, Stützpelotten, Fixiergurte u.ä.
Operative Therapie
- Bei Patienten mit rasch progredienter Skoliose mit drohender restriktiver
Lungenfunktionsstörung kann eine segmentale spinale Stabilisation ohne knöcherne
Fusionierung indiziert sein.
- Subkutane Tenotomien nach Siegel bei rasch progredienten Spitzfüßen oder
Hüftgelenkskontrakturen.
Maßnahmen bei Operationen
- Vermeidung von Depolarisationsblockern v.a. wegen muskulärer und sekundär kardialer
Nebenwirkungen
- postoperative Mobilisierung so rasch wie möglich
|