Trigeminusneuralgie
Pathogense
Die idiopathische Trigeminusneuralgie (TN) entsteht nach heutiger Vorstellung durch
eine mikrovaskuläre chronische Irritation der Trigeminuswurzel im Übergangsbereich
zwischen zentralem und peripherem Myelin einige mm vor ihrem Eintritt in den Hirnstamm.
Sowohl periphere wie zentrale Mechanismen sind bei der Entstehung und Auslösung der
pathologischen Erregung beteiligt.
Therapie
Medikamentöse Therapie
= primäre Therapie
- Carbamazepin (Tegretol®)
3x200-400mg/d;
- Retard-Zubereitung (Tegretol® 400mg ret tbl) bis 1-0-2 tbl
- einschleichende Dosierung beginnen mit 200mg 2 x ½/d
- Erhaltungsdosis nach Spiegel: 4-8ng/ml
- Phenytoin (Epilan®D)
- alternativ bei Unverträglichkeit oder mangelnder Wirkung von Carbamazepin
- Phenytoin 3 x 10mg/d (bis 400mg/d)
- Clonazepam (Rivotril®) 3 x 1mg
- Wirkungsverlust nach einiger Zeit gegeben
- Baclofen (Lioresal®)
- 3 x 5mg bis 50mg/d
- einschleichende Dosierung
- in einigen Studien als Monosubstanz und in Kombination mit Carbamazepin wirksam
- adjuvant: Haloperidol (Haldol®) ca. 3x10gtt/d
Neurochirurgische Therapie
Thermokoagulation des Ganglion Gasseri
Die Thermokoagulation des Ganglion Gasseri nach Sweet ist als risikoarm du wenig
belastende Operation bei idiopathischer TN weithin anerkannt. Der Eingriff erfolgt in
Lokalanästhesie, ist somit auch geschwächten Patienten noch zumutbar. Die Erfolge sind
in der Regel günstig (Spontanerfolg 80%), Hauptproblem sind die Rezidive nach einigen
Monaten bis zu einem Jahr sowie die Gefahr der Anaesthesia dolorosa, insbesondere nach
wiederholten Thermokoagulationen. Bei einem Befall des 1. Astes besteht zusätzlich das
Risiko einer Keratitis neuroparalytica durch Deafferentierung der Cornea. Die
Thermokoagulation wird v.a. empfohlen, wenn das Risiko eines Eingriffs nach Janetta (s.
unten) nicht eingegangen werden kann (Alter, Narkoserisiko etc.).
Sweet-Operation
Eine hauptsächlich in Skandinavien durchgeführte Variante der Sweet-Operation ist die
retroganglionäre Injektion von reinem Glycerol, was zu einer neurolytischen Blockade und
partiellen Denervierung des Ganglions führt. Es besteht das Risiko eines Abtropfens der
toxischen Substanz aus der Duraduplikatur in die Ventrikel, sodaß u.U. schwerwiegende
neurologische Ausfälle eintreten können. Die Methode ist nur unter Röntgensicht und in
de Hand des sehr erfahrenen Arztes zu empfehlen. Die Erfolge werden als gut bezeichnet.
Operation nach Janetta
Als Alternative bietet sich die mikrovaskuläre Dekompression der Trigeminuswurzel nach
Janetta an. Die Operation erfordert eine subokzipitale Kraniotomie und Darstellung der
Wurzel bis zu ihrem Eintritt in den Hirnstamm. Unter dem Operationsmikroskop wird sie von
Mikrogefäßen befreit, die sich in fast allen Fällen als Ausdruck von Gefäßanomalien
finden. Sie werden mit einem Muskelstück oder Kunststoffschwämmchen permanent verlagert,
wodurch die Trigeminuswurzel geschont und die chronische mechanische Irritation beseitigt
wird. Die Erfolgsraten liegen bei mehr als 85%,. Rezidive sind selten (in der Regel durch
Dislokation der Gewebs- oder Kunststoffstücke). Die Operationsmorbidität bezüglich
irreversibler Komplikationen liegt bei 3%, die Mortalität bei 1%.
Sonstige Eingriff
werden heute nicht mehr angewandt:
- Dandy-Operation
- Spiller-Frazier
- Sjöquist
- Exhairese nach Kirschner
|