Tuberkulöse Meningitis
Wegweiser Tuberkulose: Ätiologie, Pathogenese, Klinik, Komplikationen, Diagnostik, Therapie, Tuberkulostatika (andere Seite)
Mycobacterium tuberculosis, selten atypische Mycobakterien
Sekundärer Befall der Meningen (bevorzugt an der Hirnbasis) durch hämatogene Streuung
im Rahmen einer Miliartuberkulose oder einer chronischen Organtuberkulose (Lunge,
Urogenitaltrakt, Abdomen, Knochen, usw.); selten direkte Fortleitung aus der Nachbarschaft
(Spondylitis, Otitis).
Subakuter Beginn und protrahierter Verlauf; psychopathologische Auffälligkeiten;
Kopfschmerzen, meningeale Zeichen, basale Hirnnervenläsionen (II, III, VI, VII);
Bewußtseinstrübung, Herdsymptome, epileptische Anfälle, Zeichen des gesteigerten
Hirndrucks, spinale und/oder radikuläre Symptomatik.
Hydrocephalus occlusus oder aresorptivus; Enzephalitis mit Hirnödem; Tuberkulom;
Abszeß; Vaskulitis mit zerebralen oder spinalen Infarkten; arachnoidale Verklebungen mit
Hirnnervenläsionen und Störungen der Hypophysenfunktion (z.B. Diabetes insipidus);
spinaler Block.
Anamnese
Begleiterkrankungen (Alkoholismus? Malignom?), Kontakt mit Tuberkulosekranken?
Liquorbefund
Lymphozytäre Pleozytose, initial auch granulozytäre (mehrere 100/3 Zellen); massive
Eiweißvermehrung (Spinngewebsgerinnsel); Erniedrigung des Liquorzuckers und Erhöhung des
Liquorlaktats. Im Verlauf einer subakuten Meningitis weisen Eiweißanstieg und Abfall des
Liquorzuckers auf eine tuberkulöse Ätiologie hin. Säurefeste Stäbchen im
Ziehl-Neelsen-Präparat? Negatives Tuschepräparat! Negative bakterielle Kulturen!
Erregernachweis im Liquor
ist beweisend für die Tuberkulose: Mikroskopischer Nachweis im Ziehl-Neelsen-Präparat
(oft erst nach 4maliger Untersuchung!), DNA-Polymerase-Kettenreaktion, Tb-Kultur
(positives Ergebnis durchschnittlich erst nach 4 Wochen; immer Resistenztest!),
Tierversuch. Wiederholte mikrobiologische Untersuchung des Liquors sind auch nach
Therapiebeginn sinnvoll.
CCT
Komplikationen? (s.o.)
Röntgendiagnostik und Konsiliaruntersuchungen
zum Ausschluß einer extrameningealen Organtuberkulose
Erregernachweis
auch im Sputum, Magensaft und Urin versuchen.
Mendel-Mantoux-Test
oft negativ!
DD
Virusmeningitis, anbehandelte bakterielle Meningitis, Pilzmeningitis, Neurosarkoidose,
Meningeosis leucaemica/carcinomatosa.
Medikamentöse Therapie
- Verwendung von Tuberkulostatika
- Sofortige Behandlung bei klinischem Verdacht vor Sicherung der Diagnose.
- Therapie der Wahl: Dreierkombination aus
- Isoniazid (INH): INH "Waldheim"® 200mg tbl 3/0/0
- Zusatz Vit.B6 (im Komb.präp): Neurobion® forte 3x1
- Rifampicin: Rifoldin® 600mg drg 1/0/0
- Pyrazinamid Pyrafat® tbl 2/0/2
- Falls erforderlich, parenterale Therapie mit INH, Rifampicin und Ethambutol
- Umstritten sind Steroide:
- Der prophylaktische Einsatz von Kortikosteroiden (in erster Linie zur Verhinderung
arachnoidaler Verklebungen mit ihren Folgen - Hirnnerven- und Wurzelläsionen,
Liquorzirkulationsstörungen) und vaskulitischer Komplikationen
- Bei vorhandenen Komplikationen (zunehmender Hydrozephalus, Hirnödem, basale Exsudat im
CCT, Myelopathie) sollte auf Steroide nicht verzichtet werden (z.B. Dexamethason 3x8mg/d
p.o. bei Erwachsenen).
- Nach 3 Monaten
- Fortführung der Therapie mit einer Zweierkombination aus INH und Rifampicin über 6-12
Monate.
- Bei Unverträglichkeit oder Resistenz Ausweichen auf Reserve-Tuberkulostatika
- Häufiges Problem: Hepatotoxizität
- Deshalb Kontrolle der Leberwerte (Bilirubin, AP, GOT, GPT) initial alle 3 Tage
- bei steigenden Werten tägliche Kontrolle
- Vorsicht bei Transaminasen > 200 U/l !
- bei weiter steigenden Leberwerten Absetzen von INH und Rifampicin
- Fortführung der Therapie mit Pyrazinamid, Ethambutol und Streptomycin
- Nach Normalisierung der Leberwerte zunächst Wiederansetzen von Rifampicin,
- bei weiterhin normalen Leberwerten erneuter Versuch mit INH in zunächst niederer
Dosierung (100-200mg/d), bei Verträglichkeit Absetzen von Ethambutol und Weiterführung
der Therapie mit der Standardkombination INH-Rifampicin-Pyrazinamid
Operative Therapie
- Shuntoperation bei Hydrozephalus
- Exzision therapierefraktärer Tuberkulome (Tuberkulome <2cm sprechen in der Regel auf
konservative Therapie an)
- stereotaktische Aspiration tuberkulöser Abszesse
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