Vorwort und Literaturempfehlung

Die Neurologie lässt sich wie eine Blumenwiese lesen. Will man verstehen, warum etwas blüht, wuchert, verdorrt, oder zerstört ist, muss man die Zusammenhänge im Großen sehen. Wer nur das Detail betrachtet, handelt unter Umständen falsch.

Übersetzt auf die Neurologie heißt das: Man sollte die einzelnen Regionen des Gehirns kennen, das Zusammenspiel der Strukturen im Detail – erst dann versteht man, was passiert, wenn in einer bestimmten Region eine Störung auftritt. Was der Wiese das Wasser, ist dem Gehirn der Blut, Lymphe und Liquor. Zu- und Abtransport vieler Stoffe (Sauerstoff, Zucker, andere Nährstoffe, Hormone, CO2 und Abbauprodukte, …) sind zu berücksichtigen. Und nicht zuletzt die verschiedenen zellulären und humoralen Entzündungsreaktionen.

Dazu kann man sich Wissen aus verschiedenen Medizin-Gebieten aneignen:

    • Allgemeine Anatomie
    • Neuroanatomie
    • Physiologie des Menschen
    • Neurophysiologie
    • Entwicklungsneurologie
    • Immunologie
    • Neuropathologie
    • Genetik
    • … und noch einiges mehr

Wenn man das alles kennt, kann man sich an den Patienten wagen.

Oder man nimmt diesen motivierenden Weg:

Stürzen Sie sich ins Geschehen, suchen sich den ersten Patienten mit einer neurologischen Störung und lernen am Krankheitsbild die Funktionen des Nervensystems verstehen.

Unbekannte Begriffe können Sie auch im Internet suchen, am besten auf Wikipedia (www.wikipedia.de), deren Erklärungen sind fundiert und mehrfach gegengelesen. Erkennbar ist die Validität auch an den Referenzen die am Ende jedes Beitrages stehen.

Zum Krankheitsbild selbst sollten Sie auch immer noch die deutschsprachige Leitlinie lesen. Diese finden Sie unter www.leitlinien.de (Leitlinienseite der AWMF) – es gibt aber auch andere Seiten, die man durch googeln findet. Einfach Krankheitsbegriff + Leitlinie suchen.

Aktuelles Wissen findet man in medizinischen Zeitschriftenportals, wie dem www.springermedizin.de

Eine nützliche Hilfe kann auch das Medizinportal www.docceck.com sein. Unbedingt mal reinschauen!

Folgende Lehrbücher sind für die Neurologie geeignet (Reihenfolge willkürlich):

Links verweisen auf Amazon.de – die Bücher sind auch im Universitätsbuchhandel bzw. medizinischen Fachbuchandlunge zu erhalten. Amazon hat den Vorteil, dass die Bücher oft auch als eBooks verfügbar sind. Man kann sie auf dem iPad oder Android-Tablets lesen. Etliche Bücher sind auch im Apple-Bookstore zu finden:

  1. „Masuhr“ Duale Reihe Neurologie Taschenbuch,
    Thieme Verlag, 7. Auflage 2013.
    Dieses Buch ist didaktisch sehr gut aufbereitet. Es war das erste Buch, das in diesem Format erschienen ist. Am Seitenrand findet man mitlaufend eine Spalte mit den wichtigsten Informationen, ideal zum Wiederholen des erlernten Stoffes.
    Der Umfang ist gut, aber nicht immer in die Tiefe gehend.
    Das eBook im Kindle-Format (als pdf-Format) ist super, da es die gleiche Randspalte hat (1:1 dem gedruckten Buch).
  2. „Hacke“ Neurologie – Springer Lehrbuch,
    14. Auflage 2015
    Dieses Buch ist teils sehr unterhaltsam geschrieben. Ob man den Masuhr oder Hacke verwendet ist eher Geschmackssache. Die Randleiste als Merkhilfe fehlt hier.
    Das Kindle-eBook verwendet leider dem eBook-typischen Fließtext. Die Grafiken sind in diesem Format meist schlechter aufgelöst als im pdf-Format.
  3. Der „Brandt“ Therapie und Verlauf neurologischer Erkrankungen,
    Kohlhammer-Verlag, 7. Auflage 2017.
    Ursprünglich von Thomas Brandt herausgegeben, wurde dieses Buch zum Klassiker der Neurologie. Es wird derzeit von Hans-Christoph Diener weiter betreut. Es ist sehr umfangreich, gut lesbar, hat viele Tabellen. Praktisch im klinischen Alltag nutzbar. Grafiken findet man weniger. Das eBook-Format ist Fließtext. Layout entspricht nicht dem Buch. Jedenfalls ist es um einiges leichter, da das Buch selbst ca. 1,5kg wiegt. Es ist nicht gerade günstig: ca. 180 Euro als eBook und 200 Euro als gebundenes Buch.
  4. Der „Adams“ Adams and Victor’s Principles of Neurology
    11th Edition, Mai 2019
    Für mich das beste englischsprachige Neurologie-Buch. Didaktisch sehr gut aufbereitet.
  5. „Hufschmidt-Lücking“ Neurologie compact: Für Klinik und Praxis 
    Thieme Verlag, 7. Auflage 2017
    Gut geeignet zum Lernen und Wiederholen für die Facharztprüfung, aber auch für den klinischen Alltag. Umfassendes Neurologiewissen. Extrem komprimiert. Meist stichwortartig. Man kann damit zwar Fakten lernen. Vernetzen kann man das Wissen damit aber schwer. Gut lesbares Kindle-eBook im pdf-Format (gleiches Aussehen wie das Buch)
  6. Checkliste Neurologie
    Thieme, 6. Auflage 2016
    Ist für die Kitteltasche geeignet. Auch als eBook in einem eigenen App von Thieme erhältlich.
  7. Klinikleitfade Neurologie: Mit Zugang zur Medizinwelt
    Urban & Fischer, 6 Auflage 2017
    Ähnlich der Checkliste Neurologie von Thieme, nur etwas ansprechender bebildert.
  8. Neurologisch-topische Diagnostik (Bähr, Frotscher – vormals Duus).
    Thieme, 10. Auflage 2014
    Dieses Buch ist ideal zum Kennenlernen der Zusammenhänge im Gehirn und des Nervensystems. Die einzelnen Funktionskreise sind praktisch erklärt. Man findet sich im komplexen Gebiet der Neuroanatomie sehr schnell zurecht.

Die Anzahl der guten Bücher wächst von Jahr zu Jahr. So sind hier nicht alle aufgezählt, die für den Einstieg und auch für den Facharzt geeignet wären. Ich nehme gerne auch noch weitere Empfehlungen in dieses Skriptum auf.  

Ich würde im Studium mit dem „Masuhr“ beginnen und für die Facharztprüfung den „Hufschmidt-Lücking“ verwenden. Die Topographie würde ich aus dem Buch von „Bähr-Frotscher“ nachlesen. Je nach Curriculum oder Prüfungskommission wird vielleicht auch andere Literatur notwendig sein.

Zusätzlich zur angegebenen Literatur gibt es auch eine Unzahl von Büchern zu einzelnen Krankheitsbildern, wie MS, Parkinson, Schlaganfall, Polyneuropathien und noch viel mehr. Es gibt auch umfassendere Werke, die aber für den Einstieg nicht weniger geeignet sind, sich aber gut zum Weiterlesen eignen.

Es gibt auch Bücher, die speziell für die Ausbildung von Therapeuten und Pflegekräfte geschrieben wurden. Man erkennt sie meist an entsprechenden Zusatzinformationen, wie „Pflege“ oder „Physio“. Diese sind für das Medizinstudium und die Facharztausbildung nicht geeignet, da sie meist nur an der Oberfläche des Neurologie-Wissens kratzen. Für Interessierte, die als Laien in die Medizin eintauchen wollen, sind sie unter Umständen geeignet.