Schwindel

Synonym: Vertigo

Ätiologie

Wenn der Mensch den Kopf im Raum nicht mehr richtig einordnen kann, verspührt er Schwindel.
Neben der Orientierungsstörung im Raum kann es noch zu einem Gefühl von Unwohlsein bis hin zur Vernichtungsangst kommen. An der Aufrechterhaltung der Orientierung sind verschieden Systeme beteiligt. Wenn nur eines dieser Systeme gestört tritt Schwindel auf:

  • peripherer und zentralvestibuläerer Apparat
  • visuelles System
  • somatosensorisches und motorisches System

Wegen der engen Verknüpfung dieser das Gleichgewicht stabilisierenden Strukturen mit okulomotorischen und vegetativen Zentren im Hirnstamm ist Schwindel in der Regel von Nystagmus, vegetativen Symptomen (Nausea) und Ataxie begleitet.

Klinik

Man unterscheidet einen physiologischen Reizschwindel (Bewegungskrankheit, Höhenschwindel) vom pathologischen Läsionsschwindel. Nach dem Verlauf werden 4 Formen dieses pathologischen Schwindels unterschieden:

  • spontan auftretender Attackenschwindel (z.B. M.Menière)
  • bewegungs- oder lageabhängiger kurzdauernder Lage-, Lagerungs- und Halsdrehschwindel
  • akute und heftig einsetzender Dauerschwindel mit spontaner langsamer Besserung (z.B. Neuropathia vestibularis)
  • chronisch fluktuierendner, meist nur mäßig ausgeprägter Dauerschwindel (z.B. bei Hirnstammprozessen oder beim multisensorischen Schwindel, der vorwiegend im Alter auftritt)

Nach der Ausprägung läßt sich ein systematischer vestibulärer Schwindel (Dreh-Liftschwindel) von einem unsystematische, diffusen Schwindel (meist bei Störungen, die nicht vestibulär) unterscheiden.

Diagnostik

auf Grund der vielfältigen Ursachen kann auch die Diagnostik umfassend sein. Prinzipiell ist die neurologische Untersuchung ausreichend, wenn der Befund eindeutig ist.

  • genaue klinisch neurologische Untersuchung (ist die erste Untersuchung, da bei guter Befunderhebung und entsprechenden diagnostischen Kenntnissen sich weitere Untersuchungen erübrigen können)
  • HNO-ärztliche Untersuchung (inkl. Cochlearis- und Vestibularis-Prüfung. Vorwiegend bei otogenen Störungen, bzw. unklaren peripheren Schwindelsymptomen)
  • Röntgendiagnostik (als spezielle Aufnahme des Felsenbeins: Stenvers-Aufnahme >> externer Link)
  • akustisch evozierte Potentiale (AEP, bei Fragestellung: Störung im Bereich des N. vestibulocochlearis oder Hirnstamms)
  • bei Verdacht auf einen zentralen Prozeß auch
    • Doppler
    • CCT/MR
    • EEG
    • ggf. Liquorpunktion
    • ggf. internistische Untersuchung (inkl. EKG).

 Therapie

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Verlauf und Begleitsymptomatik. Eine medikamentöse Therapie mit den verschiedenen Antivertiginosa ist nur indiziert bei akutem zentral oder peripher vestibulärem Schwindel sowie zur Prävention der Bewegungskrankheit. Im folgenden soll die Therapie der häufigsten für den Neurologen wichtigen Schwindelformen aufgeführt werden. Für die Behandlung der selteneren Schwindelformen wird auf weiterführende Literatur verwiesen.

Einteilung

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