Singultus

Ätiologie

Deutsch: Schluckauf, Englisch: Hickup.

Es kommt zu einer unwillkürliche Kontraktion des Zwerchfells und der Atemhilfsmuskulatur. Nach ca. 35 Millisekunden kommt es zum Glotisschluss (dadurch „hicksendes“ Geräusch).

Der Singultus ist ein primitiver viszero-somatischer Reflex. Intrauterin ist er physiologisch. Später wird durch weitere ZNS-Reifung dieser Reflex unterdrückt.

Der Reflexbogen besteht aus

  • N. vagus
  • N. phrenicus
  • Hirnstamm

Schluckauf ist meist benigne. Ausgelöst werden kann er

  • im ZNS
  • im Gastrointestinal-Trakt

länger dauernder Singultus

  • ist pathologisch
  • Dauer über 48 Stunden = perisistierender Singultus
  • Dauer über  4 Wochen  = chronischer Singulars

In Deutschland dürften über 200 bis 300 Patienten leiden, die einen chronischen Singultus haben (Zahl fand ich in der MMW – 2007/12). In Österreich dürften daher (rechnerisch) ca.20-30 Personen einen chronischen Singultus haben. Betroffen sind vorwiegend ältere Männer.

Vor dem Behandlungsbeginn klärt man ab, ob eine schwerwiegende (behandelbare) Erkrankung vorliegt. In den meisten Fällen findet man keine Ursache. Dann spricht man von einem „idiopathischen Singultus“.

Bekannte Trigger für Singultusepisoden sind

Medikamente

Die Medikamente des Patienten auf NW „Singultus“ durchforsten – auch auf Medline nachsehen, da der Singultus nicht immer in der Medikamenten-Information zu finden ist. Bekannt ist diese Nebenwirkung z.B. bei:

  • Benzodiazepine
  • Barbiturate
  • Kortikosteroide
  • Carvedilol, z.B. Dilatrend (Alpha- und Β-Adrenorezeptor-Antagonisten)
  • Cisplasmin, mit Steroiden
  • Parkinson-Medikation (bis zu 20% der Parkinson-Patienten)
  • Aripiprazol (Abilify) – Ind: Schizophrenie

Alkohol

ist zu erfragen.

ZNS-Ursachen (im Hirnstamm)

  • Tumoren
  • Blutungen
  • degenerative Prozesse

periphere Ursachen

  • Refluxkranheit (häufige periphere Ursache)

Lokale Prozesse im Bereich des Hals/Thorax

  • Tumoren
  • Abszesse

sonstige Ursachen

  • meist findet man keine Ursache

Routineuntersuchung

  • Routinelabor
  • Thorax-Röntgen (Frage: Lokale Entzündungen, Expansionen?)
  • Gastroskopie (Frage: GÖR, Magenpathologie?)

erweiterte Diagnostik

  • MRT der hinteren Schädelgrube (MRT ist besser als CT, da insbesondere in der hinteren Schädelgrube CT wenig aussagekräftig)
  • MRT oder CT der Halses und des Thorax

Therapie

  • primär ist eine kausale Therapie anzustreben. Diese ist zwar selten möglich, da selten eine Ursache gefunden wird.
  • unabhängig von der Kausaltherapie sollte auch eine symptomatische Therapie versucht werden.

Gastrointestinaltrakt – Singultus-Therapie

  • Reduktion der Magensäure: PPI (z.B. mit Beschleunigung der Magenentleerung (z.B. mit Metoclopramid 3 x 15-30gtt / d)
  • Lebensstiländerung: häufigere, kleinere Nahrungsportionen, keine kohlensäurehaltigen Getränke

ZNS – Singultus-Therapie (Versuch, off-Label-Therap)

  • Gabapentin
  • Pregabalin
  • Baclofen

Kombinationstherapie

Versuchen kann man eine Kombinationstherapie (die meist wirksamer als eine reine ZNS oder GI-Therapie). Z.B.

  • Omeprazol 20mg 0-0-1
  • Pregabalin bis 300mg 1-0-1 (Vorsicht: einschleichen!)
  • evtl. mit Baclofen 3x 5mg

Ist die Therapie wirksam, sollte man sie für mehrere Monate aufrecht erhalten. Danach kann man versuchen die Medikamente auszuschleichen. Es kann aber auch eine Dauertherapie notwendig sein.

Hinterlasse eine Antwort