Nach Schädel-Hirn-Trauma: CSWS

CSWS (Cerebral Salt Wasting Syndrom, zerebrales Salzverlustsyndrom)

ist eine mögliche Komplikation nach einem Schädel-Hirn-Trauma, einer Hirnblutung oder neurochirurgischen Eingriffen. Dabei verliert die Niere übermäßig Natrium und Wasser, was zu einer Hyponatriämie und Hypovolämie führt.

Pathophysiologie

Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig geklärt. Vermutet werden:

    • vermehrte Freisetzung natriuretischer Peptide (z. B. BNP)
    • verminderte sympathische Stimulation der Niere
    • dadurch gesteigerte Natriumausscheidung

Der Natriumverlust zieht Wasser mit sich, sodass der Patient nicht nur hyponatriämisch, sondern auch volumenverarmt wird.

Typische Befunde

    • Hyponatriämie
    • hohe Natriumausscheidung im Urin
    • hohe Urinosmolalität
    • Zeichen der Hypovolämie:
      • niedriger Blutdruck
      • Tachykardie
      • Gewichtsverlust
      • trockene Schleimhäute
      • erhöhter Hämatokrit

Abgrenzung zur SIADH

Beide Erkrankungen können nach Hirntrauma auftreten und zeigen oft:

    • Hyponatriämie
    • hohes Urin-Natrium
    • konzentrierten Urin

Der entscheidende Unterschied ist der Volumenstatus:

Merkmal

SIADH

CSWS

Ursache

Wasserretention

Natriumverlust

Extrazelluläres Volumen

normal bis leicht erhöht

vermindert

Natriumbilanz

ausgeglichen bis positiv

negativ

Flüssigkeitsrestriktion

sinnvoll

gefährlich

Therapie

Flüssigkeitsrestriktion

Volumen- und Natriumersatz

Therapie des CSWS 

    • Isotone oder hypertone Kochsalzlösung je nach Schwere
    • Natriumsubstitution
    • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
    • gelegentlich Fludrocortison zur Verminderung des Natriumverlusts

Nach Trauma

CSWS tritt typischerweise in den ersten Tagen bis Wochen nach:

    • Schädel-Hirn-Trauma
    • Subarachnoidalblutung
    • intrazerebraler Blutung
    • neurochirurgischen Eingriffen

auf.

Merksatz

    • SIADH = zu viel Wasser im Körper → Natrium wird verdünnt.
    • CSWS = zu viel Natriumverlust über die Niere → Wasser geht mit verloren.

Deshalb ist die Unterscheidung klinisch so wichtig: Ein Patient mit CSWS verschlechtert sich häufig, wenn man ihn wie eine SIADH mit Flüssigkeitsrestriktion behandelt. In der Neurointensivmedizin gehören daher Volumenstatus, Urinmenge, Urin-Natrium und Gewichtsverlauf zu den entscheidenden Unterscheidungsmerkmalen.

Nach Schädel-Hirnverletzung: SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion)

Das posttraumatische SIADH

Posttraumatische SIADH bedeutet ein Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), das nach einem Trauma, meist nach einer Schädel-Hirn-Verletzung, auftritt.

Was passiert dabei?

Das Hormon ADH (Antidiuretisches Hormon, Vasopressin) wird im Hypothalamus gebildet und über die Hypophyse freigesetzt. Es sorgt dafür, dass die Niere Wasser zurückhält.

Bei einer SIADH wird zu viel ADH ausgeschüttet, obwohl der Körper es eigentlich nicht benötigt.

Die Folge:

    • vermehrte Wasserrückresorption in der Niere
    • Verdünnung des Blutes
    • Hyponatriämie (erniedrigtes Natrium)
    • erniedrigte Plasmaosmolalität
    • konzentrierter Harn trotz Hyponatriämie

Warum nach einem Trauma?

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma können:

    • Hypothalamus
    • Hypophyse
    • zentrale Regulationsmechanismen

gereizt oder geschädigt werden. Dadurch wird ADH unkontrolliert freigesetzt.

Typische Auslöser:

    • Schädel-Hirn-Trauma
    • Hirnblutung
    • Hirnoperationen
    • schwere Gehirnerschütterung
    • andere neurologische Erkrankungen

Symptome

Die Beschwerden hängen vor allem vom Natriumwert und der Geschwindigkeit des Abfalls ab:

Leichte Hyponatriämie:

    • Müdigkeit
    • Übelkeit
    • Kopfschmerzen
    • Konzentrationsstörungen

Schwere Hyponatriämie:

    • Verwirrtheit
    • Krampfanfälle
    • Bewusstseinsstörung
    • Koma

Diagnostische Konstellation

Typischerweise findet man:

    • Natrium ↓
    • Plasmaosmolalität ↓
    • Urinosmolalität ↑
    • Urin-Natrium ↑
    • klinisch meist euvolämischer Patient (nicht dehydriert, keine Ödeme)

Wichtige Differenzialdiagnose

Nach Schädel-Hirn-Trauma muss SIADH vom zerebralen Salzverlustsyndrom (Cerebral Salt Wasting Syndrome, CSWS) unterschieden werden:

 

SIADH

CSWS

Wasserüberschuss

Salzverlust

Euvolämie oder leichte Hypervolämie

Hypovolämie

Flüssigkeitsrestriktion hilft

Flüssigkeitsgabe notwendig

Natrium niedrig

Natrium niedrig

Diese Unterscheidung ist klinisch wichtig, weil die Therapie nahezu gegensätzlich ist.

Therapie der SIADH

Je nach Schwere:

    • Flüssigkeitsrestriktion
    • Kochsalztabletten oder hypertones NaCl
    • Schleifendiuretika
    • in ausgewählten Fällen Vasopressin-Antagonisten (Vaptane)

Bei neurologischen Patienten wird das Natrium engmaschig kontrolliert, da eine zu schnelle Korrektur das Risiko einer osmotischen Demyelinisierung birgt.

Kurz gesagt: Eine posttraumatische SIADH ist eine durch ein Trauma – meist ein Schädel-Hirn-Trauma – ausgelöste überschießende ADH-Freisetzung mit Wasserretention und daraus resultierender Hyponatriämie.