Nach Schädel-Hirnverletzung: SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion)

Das posttraumatische SIADH

Posttraumatische SIADH bedeutet ein Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH), das nach einem Trauma, meist nach einer Schädel-Hirn-Verletzung, auftritt.

Was passiert dabei?

Das Hormon ADH (Antidiuretisches Hormon, Vasopressin) wird im Hypothalamus gebildet und über die Hypophyse freigesetzt. Es sorgt dafür, dass die Niere Wasser zurückhält.

Bei einer SIADH wird zu viel ADH ausgeschüttet, obwohl der Körper es eigentlich nicht benötigt.

Die Folge:

    • vermehrte Wasserrückresorption in der Niere
    • Verdünnung des Blutes
    • Hyponatriämie (erniedrigtes Natrium)
    • erniedrigte Plasmaosmolalität
    • konzentrierter Harn trotz Hyponatriämie

Warum nach einem Trauma?

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma können:

    • Hypothalamus
    • Hypophyse
    • zentrale Regulationsmechanismen

gereizt oder geschädigt werden. Dadurch wird ADH unkontrolliert freigesetzt.

Typische Auslöser:

    • Schädel-Hirn-Trauma
    • Hirnblutung
    • Hirnoperationen
    • schwere Gehirnerschütterung
    • andere neurologische Erkrankungen

Symptome

Die Beschwerden hängen vor allem vom Natriumwert und der Geschwindigkeit des Abfalls ab:

Leichte Hyponatriämie:

    • Müdigkeit
    • Übelkeit
    • Kopfschmerzen
    • Konzentrationsstörungen

Schwere Hyponatriämie:

    • Verwirrtheit
    • Krampfanfälle
    • Bewusstseinsstörung
    • Koma

Diagnostische Konstellation

Typischerweise findet man:

    • Natrium ↓
    • Plasmaosmolalität ↓
    • Urinosmolalität ↑
    • Urin-Natrium ↑
    • klinisch meist euvolämischer Patient (nicht dehydriert, keine Ödeme)

Wichtige Differenzialdiagnose

Nach Schädel-Hirn-Trauma muss SIADH vom zerebralen Salzverlustsyndrom (Cerebral Salt Wasting Syndrome, CSWS) unterschieden werden:

 

SIADH

CSWS

Wasserüberschuss

Salzverlust

Euvolämie oder leichte Hypervolämie

Hypovolämie

Flüssigkeitsrestriktion hilft

Flüssigkeitsgabe notwendig

Natrium niedrig

Natrium niedrig

Diese Unterscheidung ist klinisch wichtig, weil die Therapie nahezu gegensätzlich ist.

Therapie der SIADH

Je nach Schwere:

    • Flüssigkeitsrestriktion
    • Kochsalztabletten oder hypertones NaCl
    • Schleifendiuretika
    • in ausgewählten Fällen Vasopressin-Antagonisten (Vaptane)

Bei neurologischen Patienten wird das Natrium engmaschig kontrolliert, da eine zu schnelle Korrektur das Risiko einer osmotischen Demyelinisierung birgt.

Kurz gesagt: Eine posttraumatische SIADH ist eine durch ein Trauma – meist ein Schädel-Hirn-Trauma – ausgelöste überschießende ADH-Freisetzung mit Wasserretention und daraus resultierender Hyponatriämie.